Solarcampus – Projektstudium zu Regenerativen Energien und Energieeffizienz

Masterstudierende aus unterschiedlichen Fachbereichen arbeiten im Stil eines Ingenieur- bzw. Beratungsbüros an Aufgabenstellungen aus der Praxis ausgewählter Projektpartner. Die Projektpartner fungieren dabei als Auftraggeber für das Ingenieur- bzw. Beratungsbüro.
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Universität
3. Studienphase
Kooperationen mit Unternehmen
Projektarbeiten mit Unternehmen, gemeinnützigen oder kommunalen Partnern aus der Region
Fachgebiet Solar- und Anlagentechnik, Prof. Dr. Klaus Vajen (Initiator)

Fachgebiet Umwelt- und Verhaltensökonomik, Prof. Dr. Astrid Dannenberg

Fachgebiet Mikroökonomie und empirische Energiewirtschaft, Prof. Dr. Heike Wetzel
Das Projektstudium Solarcampus an der Universität Kassel wurde im Wintersemester 2005/06 basierend auf einer Diplomarbeit zur Untersuchung von Photovoltaikpotentialen auf den Dächern der Universität Kassel und möglichen Finanzierungsmodellen ins Leben gerufen.

Eigeninitiative und Selbstorganisation der Studierenden soll durch Zusammenarbeit im Stil eines Ingenieurbüros bzw. eines Beratungsbüros gefordert und gefördert werden. Dabei sollen die Studierenden typische Abläufe und fachliche sowie überfachliche Fähigkeiten aus ihrem späteren Berufsleben erlernen.
Master-Studierende verschiedener technischer und ökonomischer Studiengänge
Interdisziplinarität entsteht durch die Zusammenarbeit von Studierenden der Master-Studiengänge Maschinenbau, Regenerative Energien, Nachhaltige Wirtschaft und Wirtschaftsingenieurswesen. In technisch ausgerichteten Projektteams und wirtschaftlich orientierten Arbeitsgruppen wird die Lösung von komplexen Aufgabenstellungen aus der betrieblichen Praxis von periodisch wechselnden Partnern aus der regionalen Wirtschaft, gemeinnützigen Partnern, Kommunen oder der Universität Kassel selbst bearbeitet.
Das Projektstudienangebot wird jedes Semester für Studierende der Fachbereiche 15 (Maschinenbau) und 07 (Wirtschaftswissenschaften) angeboten.

Anders als in klassischen Lehrveranstaltungen agieren die Studierenden im Stile eines Ingenieur- bzw. Beratungsbüros. Dies erfordert ein hohes Maß an Eigeninitiative und Selbstorganisation. So eignen sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer nicht nur aufgabenspezifisches Fachwissen an, sondern erlernen auch typische Abläufe und Fähigkeiten, die vielfach in ihrem zukünftigen Berufsleben vorausgesetzt werden.

Als praxisnah ausgerichtete Veranstaltung gibt es den Teilnehmenden die Möglichkeit, ihr erlerntes Wissen im "geschützten Umfeld" der Universität praktisch anzuwenden.

10-20 Studierende werden pro Semester auf diese Art und Weise betreut. Regelmäßige Projekttreffen mit den Lehrenden werden für Präsentationen der bearbeiteten Arbeitspakete und Meilensteine, gezieltes Feedback sowie die Diskussion offener Fragestellungen genutzt.

Bearbeitet werden reale Fragestellungen von Projektpartnern, die in aller Regel vorher seitens der Lehrenden akquiriert wurden. Dabei wird zunächst ein Untersuchungsrahmen abgesprochen, wobei die genauen Fragestellungen und Zielsetzungen in Absprache zwischen den Studierenden, den Lehrenden und dem Projektpartner festgelegt werden. Die Bearbeitung erfolgt dann weitestgehend selbständig durch die Studierenden zusammen mit dem Projektpartner, um dessen Wünsche soweit wie möglich mit einbeziehen oder für mögliche Folgeprojekte berücksichtigen zu können.
Die Prüfungsleistungen umfassen folgende Aspekte: aktive Teilnahme an Gruppentreffen, Vorträge während des Semesters, Erstellung eines Abschlussberichtes, Ergebnispräsentation vor dem Auftraggeber und Übergabe an die nächste Semestergruppen.

Für das Modul haben die Studierenden innerhalb einer selbstgewählten Spanne die Möglichkeit für den Erwerb von zwei bis sechs Credit Points (CP; 30 Std. = 1 CP). Studierende können also den Arbeits- und Zeitaufwand individuell festlegen und dokumentieren die Aufwände über Stundenzettel.

Da sich die Zielsetzungen für jedes Semester am Zeitbudget der Gruppen orientieren, müssen die Studierenden zu Beginn des Semesters ihre angestrebten CP festlegen, um darauf aufbauend den Projektplan mit Meilensteinen und Zielen zu definieren. Abweichungen von den CP am Ende des Semesters sind je nach tatsächlichem Zeitaufwand möglich. Wichtig ist, dass definierte Arbeitspakete abgeschlossen und zusammen mit noch offenen Fragestellungen nachvollziehbar dokumentiert werden, um Informationsverlust über die Semester zu vermeiden.

Neben dem engagierten Einsatz der Studierenden für die Projekte ist ein fester Ansprechpartner beim Projektpartner für die erfolgreiche Durchführung wichtig, wozu es durch die Lehrenden im Vorfeld bereits Absprachen gibt. Darüber hinaus sind die Ergebnisse zum einen von der Bereitstellung benötigter Informationen durch den Projektpartner und zum anderen von der Möglichkeit selbst (Mess-)Daten erheben zu können abhängig, wofür aber auf Messtechnik und vorhandenes Wissen der beteiligten Fachgebiete zurückgegriffen werden kann.
In aller Regel lassen sich die zu bearbeiteten Fragestellungen nicht in einem Semester abschließend beantworten, weshalb mehrere Studierendengenerationen in den Bearbeitungsprozess eingebunden werden. Um die inhaltliche Kontinuität zu gewährleisten und Informationsverluste zwischen den Semestergruppen zu verhindern, ist für Solarcampus ein abgestimmtes Ablaufschema entwickelt worden (s. Ablaufschema Reduktion von Informationsverlusten zwischen den Semestergruppen und Gewährleistung von inhaltlicher Kontinuität: https://www.uni-kassel.de/maschinenbau/typo3temp/pics/fbc92312a3.jpg).

Der nahtlose Übergang zwischen den Teilnehmerinnen und Teilnehmer aufeinanderfolgender Semester erfolgt im Rahmen einer Übergabeveranstaltung, die jeweils zu Beginn eines Semesters stattfindet. In dieser präsentieren die Arbeitsgruppen des vorangegangenen Semesters neben ihren Ergebnissen auch einen Überblick der noch zu beantworteten Fragestellungen. Zudem geben sie wichtiges Detailwissen an die nachfolgenden Studierenden weiter. Die Übergabeveranstaltung ist sowohl Abschlussveranstaltung für das jeweils vergangene Semester als auch Auftaktveranstaltung für das kommende.

Ein wesentlicher Bestandteil des Lehrkonzeptes ist zudem die intensive Betreuung mit dem Schwerpunkt "Projektmanagement" durch einen professionellen Trainer. In intensiven Kleingruppentreffen tauschen sich die Studierenden während des Semesters aus. Sie teilen untereinander ihre Erfahrungen im Projekt und als Team zu den Themen Projekt-, Zeit- und Teammanagement. Wunschthemen wie z. B. Konfliktmanagement kommen ebenfalls zur Sprache. Den Kleingruppentreffen steht eine Trainerin oder ein Trainer zur Seite. So lassen sich eventuell auftretende Probleme schnell angehen und inhaltliche Wünsche der Studierenden berücksichtigen.

Besonders ist auch die Notenvergabe: Die Studierenden haben die Möglichkeit, sich und ihre Leistung im Kontext der Gruppe selbst einzuschätzen und realistische Notenvorschläge abzugeben. Diese stimmen meist erstaunlich gut mit den final von den Lehrenden vergebenen Einzelnoten überein.

Zu den Highlights der bisherigen Solarcampus-Projekte gehörten u.a. die Klimakampagne in Zusammenarbeit mit dem Filmladen Kassel e.V. sowie Untersuchungen zur Energieeffizienzsteigerung in der Justizvollzugsanstalt Kassel I.
Das Projektstudium wurde seit dem Wintersemester 2005/2006 an der Uni Kassel inhaltlich und organisatorisch immer weiterentwickelt.

Phase I (WiSe 2005/06 – SoSe 2007)

Installation von Photovoltaikanlagen auf drei Gebäuden der Uni Kassel, Ausstattung mit Anlagenvisualisierung und -überwachung, Finanzierung über private Bürgerbeteiligungen, wobei das eingesetzte Kapital durch die Vergütung der Erträge über 20 Jahre mit einem Zinssatz von 4-6 % zurückgezahlt wird.

Phase II: (WiSe 2007/08 – SoSe 2009)

Fokus auf dem Thema Energieeffizienz, Analyse von Verbrauchsdaten zu Strom, Wärme, Wasser, Konzeption von Effizienzmaßnahmen zur Schonung von Ressourcen und Umwelt, Erstellung von Gebäudeenergieausweisen, Ziel: Verringerung des ökologischen Fußabdruckes der Uni Kassel und des Studierendenwerkes Kassel

Phase III: (WiSe 2009/10 – bis heute

Durchführung von Verbrauchsanalysen, Ableitung von Energie- und Wassersparmaßnahmen und Entwicklung CO2-armer Energieversorgungskonzepte mit hohem Anteil regenerativer Energien in kommunalen und gemeinnützigen Einrichtungen in Zusammenarbeit mit regionalen Partnern
Trotz der geforderten Selbstständigkeit sind regelmäßige Projekttreffen mit den Lehrenden wichtig für den Bearbeitungserfolg. Allerdings agieren die Lehrenden eher als Diskussionspartner und Berater, die unterstützend tätig sind und nur steuernd eingreifen, wenn es nötig ist.

Die Interdisziplinarität der Veranstaltung bringt verschiedene Kompetenzen zusammen. Studierende aus den Master-Studiengängen Maschinenbau, Regenerative Energien, Nachhaltiges Wirtschaften sowie Wirtschaftsingenieurwesen arbeiten gemeinsam in Kleingruppen (i.d.R. 3 bis 4 pro Semester) an den Aufgabestellungen.

Die Projektpartner erhalten als Ergebnis bspw. detaillierte Analysen der Verbrauchsdaten, identifizierte Hauptverbraucher mit abgeleiteten Effizienzmaßnahmen oder Konzepte für zukunftsfähige, CO2-arme Versorgungskonzepte. Aus ökonomischer Perspektive werden Finanzierungsmöglichkeiten analysiert, Anreizmodelle untersucht oder auch Klimabilanzen auf Basis der Verbräuche erstellt.

Durch den Fokus auf Energieeffizienz, Klimabilanzen, Finanzierungs- und verhaltensökonomischen Fragestellungen leistet das Projektstudium Solarcampus zudem einen Beitrag für die nachhaltige Entwicklung und zum Klimaschutz in der Region.
Januar 2021

Hochschule/Organisation

Universität Kassel
Fachbereiche Maschinenbau und Wirtschaftswissenschaften

Mönchebergstr. 7
34125 Kassel

Ansprechpartner/in

Prof. Dr. Klaus Vajen

 +49 561 804-3891

 vajen@uni-kassel.de