Planspiel - HAW München

In vorgegebenen praxis- und anwendungsnahen Szenarien soll es Studierenden ermöglicht werden, Verhaltens- und Entscheidungsprozesse zu erleben. Dabei können eigene Fach-, Sozial- und Methodenkompetenzen erprobt bzw. ausgebildet und mögliche Folgen des Handelns reflektiert werden.
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Fachhochschule/Hochschule für Angewandte Wissenschaft
6. Gesamtes Studium
Kooperationen mit Unternehmen
Lehre und angewandte Forschung, Projektmanagement
  • Lehrende, die Planspiele als Lehrformat nutzen
  • (ggf.) Unternehmen, die die Durchführung fachlich, personell oder sächlich unterstützen bzw. Unternehmen oder Einrichtungen, die durch ein Planspiel eine eigene Thematik fokussieren wollen (z.B. Planspiel zur Automatisierung oder Logistik)
    Beispiel interdisziplinäres Pilotprojekt: Der Flughafen braucht eine dritte Startbahn (Unterstützung durch Flughafen München GmbH durch Exkursion, fachlichen Input und Vertretung bei öffentlicher Abschlussveranstaltung)
Studierenden soll ermöglicht werden, eigenes Handeln zu betrieblichen Aufgabenstellungen in einem Akteursgefüge in vorgegebenen praxis- und anwendungsnahen Szenarien zu erleben und zu reflektieren. Dabei werden Verhaltens- und Entscheidungsprozesse erlebt. Eigene Fach-, Sozial- und Methodenkompetenzen können erprobt bzw. ausgebildet werden.
Studierende aus unterschiedlichen Fakultäten und Studiengängen (Bachelor/Masterstudiengängen/Weiterbildungsstudiengängen)
In dem Lehr- und Lernformat werden komplexe Planungs-, Verhandlungs- und Entscheidungsprozesse möglichst realitätsnah nachgeahmt. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer von Simulationen treten aus der passiven Rolle eines Studierenden und übernehmen auf der Basis einer Ausgangslage – dem sog. “Szenario“ – für die Dauer des Planspieles eine aktive Rolle, z.B. als Vertreterin eines Unternehmens in einem ökonomischen Planspiel oder als EU-Kommissar für den „Green Deal“ in einem politikwissenschaftlich angelegten Planspiel (Politiksimulation). Je nach Anlage des Spieles kommen weitere Rollen hinzu. Das gewählte Szenario kann entweder fiktiv oder real sein. Die meisten Planspiele basieren auf realen Ausgangslagen.
Die Durchführung eines Planspiels erfolgt in einem Dreier-Schritt:

  • Einführung in die Methodik und den fachwissenschaftlichen Gegenstand
  • Durchführung des Planspiels mit unterschiedlichen Abläufen/Szenarien
  • Reflexion und Transfer des Lehrgegenstandes und der Simulation
  • Beispiele für die Anwendung von Planspielen in der Lehre sind überwiegend aus Gesellschafts-, Wirtschafts- und Umweltwissenschaften bekannt, aber prinzipiell sind Planspiele auch in den Ingenieurwissenschaften als Lehrformat realisierbar.

    Die zunehmend breite Anwendung von Planspielen in der Lehre zeigt sich auch in der Etablierung des „Deutschen Planspielpreises“ für gelungene Abschlussarbeiten und Dissertationen aus dem Feld der Planspiele (vgl. zms.dhbw-stuttgart.de/planspielpreis/). Hier gab und gibt es immer wieder auch Einreichungen aus dem naturwissenschaftlichen Bereich.
    Unternehmen, die Lehrende mit Szenarien und Aufgabenstellungen aus ihrer unternehmerischen Praxis für ein Planspiel unterstützen, können durch praxisnahe Anwendungsszenarien Impulse für gesuchte fachlich-inhaltliche, methodische bis hin zu überfachlichen Absolventenprofilen für die Lehre am Standort geben.

    Auch Unternehmen können von Planspieleinsätzen profitieren, z. B. durch ein Praktikum oder durch einen Werkvertrag eines Studierenden.

    Durch die Möglichkeit der Co-Betreuung kann ein direkter Austausch von Studierenden und Unternehmen hergestellt werden. Unternehmen können sich so bei den Studierenden durch den direkten Kontakt frühzeitig als potenzieller Arbeitgeber präsentieren.

    Exemplarisch sei hier auf das „Zentrum für Managementsimulation (ZMS) der DHBW Stuttgart“ verwiesen. Durch den Einsatz der Planspielmethode aus den Bereichen Wirtschaft und Management werden Studierende zum systemischen Denken und Lernen befähigt. Sie lernen Folgen von Entscheidungen abzuschätzen und eigene Positionen und Meinungen zu vertreten. Damit werden sie auf die Übernahme von Verantwortung in der unternehmerischen Praxis vorbereitet (vgl. https://zms.dhbw-stuttgart.de/das-zms/).
    Seit 2012
    Evaluationen zeigen eine sehr positive Resonanz der Teilnehmenden beim erzielten Lerneffekt (Informations- und Erkenntnisgewinn), der Akzeptanz der Methode und der Frage nach einer weiteren Teilnahme an einem Planspiel. Die hohe Motivation ist auf den hohen Grad selbstständigen Lernens, der Teamarbeit sowie der persönlichen Identifikation mit Rollen zurückzuführen.

    Durch Simulationen werden wichtige Schlüsselkompetenzen für Studierende erschlossen:
    „Ich bin der Meinung, dass Planspiele öfters angeboten und auch vermehrt in Stunden- und Ausbildungsplänen Anwendungen finden sollten. Sie fördern spielerisch Verhandlungssicherheit, Selbstbewusstsein sowie Umgangsformen – Eigenschaften, die auch im normalen Alltag benötigt werden.“ (Student der Elektrotechnik, 6. Fachsemester)

    Die besondere Stärke der Methode basiert in einen Kompetenzerwerb auf mehreren Ebenen:

  • Analyse- und Wissenskompetenz
  • Politische Handlungs- und Urteilskompetenz
  • Methoden- und Sozialkompetenz

  • Simulationen sind offene und selbstgesteuerte Lernprozesse, d.h. Verlauf und Ergebnisse bestimmen die Studierenden selbst. Die Methode motiviert die Studierenden sehr stark und ermöglicht einen erlebbaren Zugang zu Themen, die oft als trocken und zu komplex antizipiert werden.

    Ein großes Potenzial liegt in der Durchführung von Planspielen in Kooperation von Studiengängen und Unternehmen (s.o.). Hier geht es v.a. um die Verständigung über gemeinsame strategische Zielsetzungen, aber auch um die Reflexion einer funktionierenden Organisation.
    https://www.hm.edu/allgemein/hochschule_muenchen/nachhaltigkeit_1/lehre_1/planspiele/planspielzukunft.de.html

    Einen speziellen systematischen Überblick über deutschsprachige Simulationen in der politischen Bildung bietet die „Planspiel-Datenbank“ der Bundeszentrale für politische Bildung, die der Autor mitentwickelt hat. Diese Datenbank enthält inzwischen ca. 250 Simulationen zu verschiedenen Themen, u.a. Nachhaltigkeit (https://www.bpb.de/lernen/formate/planspiele/).

    https://www.sagsaga.org/
    "SAGSAGA" ist die Abkürzung des Fachverbandes Swiss Austrian German Simulation and Gaming Association (Gesellschaft für Planspiele in Deutschland, Österreich und der Schweiz).

    Ziel des Vereins ist die Förderung von erfahrungsorientierten Lehr- und Lernformen, die zur Simulation von wirtschaftlichen, technischen und sozialen Prozessen und zur Entwicklung von Systemkompetenz in unterschiedlichen Lebensbereichen beitragen. Der Fachverband versteht sich als interdisziplinäres Netzwerk von Wissenschaftlern, professionellen Anwendern, Entwicklern und Nutzern von Planspielen und anderen erfahrungsorientierten Lehr- und Lernmethoden im deutschsprachigen Raum.

    Veröffentlichung
    Andreas Petrik/Stefan Rappenglück (Hrsg.) (2017): Handbuch Planspiele in der politischen Bildung. Bundeszentrale für politische Bildung
    März 2021

    Hochschule/Organisation

    Hochschule München
    Fakultät 13- Studium Generale und interdisziplinäre Studien

    Dachauerstr. 100a
    80363 München

    Ansprechpartner/in

    Prof. Dr. Stefan Rappenglück

     +49 89 1265-4333

     stefan.rappenglueck@hm.edu